Glanz vergangener Zeit. Die Orden der Habsburgermonarchie.

Aktualisiert: 13. Mai 2020

Orden heben Menschen hervor, die besondere Dienste geleistet haben, ausgewählten Gemeinschaften angehören oder bestimmte Positionen bekleiden. Sie faszinieren nicht nur durch ihre meist auffällige und ästhetisch ansprechende Gestaltung, sondern auch aufgrund des gedanklichen Konzeptes, das hinter ihnen steht.

Der Anblick von Orden ist uns so vertraut, dass wir oft gar nicht mehr hinterfragen, wofür sie stehen und was sich hinter ihnen verbirgt. Dabei können sie uns doch einiges über ihre Träger und die Gesellschaft, in der diese lebten, verraten.


Orden, wie sie uns heute geläufig sind, wurden ab dem 13. Jahrhundert von weltlichen Herrschern verliehen, um ihre Gefolgschaft auszeichnen und an sich binden zu können. In Österreich-Ungarn war der Orden vom Goldenen Vlies als einziger mittelalterlicher Orden der älteste. Ab dem 18. Jahrhundert entstanden weitere aristokratische Orden zur Belohnung militärischer und ziviler Verdienste. Von diesen Orden blieb jedoch ein großer Teil der Bevölkerung ausgeschlossen. Deshalb wurden mit dem Ende des 18. Jahrhunderts auch Verdienst- und Tapferkeitsmedaillen gestiftet, die für einen größeren Personenkreis erreichbar waren.

Einige der geläufigsten Orden der Habsburgermonarchie sehen wir uns jetzt an einem Gemälde von Kaiser Franz Joseph I. an. Ihr findet das vollständige Gemälde unter diesem Link.


Der Orden vom Goldenen Vlies

Der Orden vom Goldenen Vlies ist vermutlich einer der bekanntesten Orden überhaupt. Unter den Orden der Habsburgermonarchie steht er an erster Stelle und wird daher an gesonderter Position getragen. Das Ordenszeichen ist ein goldenes Widderfell, das in der Mitte von einem Ring gehalten wird. Es wird an einer Kette oder Collane um Hals oder Schultern getragen. Über diesem Widderfell befindet sich ein blauer Feuerstein, aus dem rote Flammen züngeln. Dazu kommt eine goldene Agraffe, die Jasons Kampf gegen den Drachen und den burgundischen Wahlspruch Pretium laborum non vile („Kein geringer Preis der Arbeit“) zeigt.

Das verrät auch schon, dass der Orden vom Goldenen Vlies nicht von den Habsburgern gestiftet wurde, sondern von Herzog Philipp dem Guten von Burgund. Er rief den Orden im Jahr 1430 anlässlich seiner Heirat mit Isabella von Portugal ins Leben. Die Grundlage für den Orden bildet einerseits die antike Sage von Jason und dem Goldenen Widdervlies, andererseits aber auch die entsprechende christliche Deutung. In dieser steht das Vlies für die unbefleckte Empfängnis Mariens.

Das Amt des Chefs und Souveräns des Ordens wird vererbt. Bei Aussterben der männlichen Linie fällt es an den Ehemann der Tochter des letzten Ordenssouveräns. Genau aus diesem Grund kam der Orden 1477 nach der Heirat von Maximilian I. und Maria von Burgund an die Habsburger. Er entwickelte sich zu einem Ritterorden von hohem Rang. Nach dem Ende der Monarchie führte Karl I. die Verleihungen fort, nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurde der Orden zwar aufgelöst, 1958 jedoch wieder als juristische Person öffentlichen Rechtes anerkannt. Er wird somit nach wie vor verliehen. Heute existieren zwei Formen des Ordens: Für das österreichische Goldene Vlies werden die ursprünglichen Statuten angewandt, die spanische Variante des Ordens wurde im 19. Jahrhundert abgewandelt.


Militär-Maria Theresien-Orden

Als rangnächster Orden in der Reihe folgt das goldene, weiß emaillierte Großkreuz des Militär- Maria Theresien-Ordens. Auf der Vorderseite ist das achtspitzige Kreuz mit dem österreichischen erzherzoglichen Wappen versehen. Um dieses herum befindet sich ein weißer Kreisring mit der Inschrift FORTITVDINI („Der Tapferkeit“). Die Rückseite zeigt mit den Buchstaben MT und F, die von einem grünen Lorbeerkranz umgeben werden, die Initialen Maria Theresias und Franz I.

Maria Theresia führte den Orden 1757 während des Siebenjährigen Krieges als erste sichtbare Auszeichnung für militärische Verdienste in der Habsburgermonarchie ein. Damit zeichnete sich eine Veränderung im bisherigen System der Ordensverleihungen ab: Dieses System beruhte noch auf dem mittelalterlichen Gedanken, dass Ordensgemeinschaften dazu verpflichtet seien, in Zukunft bestimmte Leistungen zu erbringen. So war beispielsweise das Ziel des Ordens vom Goldenen Vlies der Schutz der Kirche und des katholischen Glaubens. Außerdem spielten Rang, Religion und Herkunft bei der Verleihung des Militär-Maria Theresien-Ordens keine Rolle mehr. Aus Rücksicht auf die Protestanten entschied man sich beispielsweise auch dafür, auf der Vorderseite keinen Heiligen darzustellen.

Der erste Großmeister des Ordens wurde Kaiser Franz I., ihm folgte der jeweils amtierende Herrscher des Hauses Österreich. Es handelt sich beim Militär-Maria Theresien-Orden um den höchsten militärischen Orden der Monarchie. Um diese besondere Stellung des Ordens zu betonen, durfte er vor allen übrigen Orden – abgesehen vom Orden vom Goldenen Vlies – getragen werden.

Nach dem Ende der Habsburgermonarchie wurden anstelle des Militär- Maria Theresien-Ordens Dekrete mit Ordenswürdigkeitserklärungen verliehen, ehe 1938 die Maria Theresien-Ordensstiftung gegründet wurde. Diese Stiftung wurde in der Zweiten Republik fortgeführt, nach dem Tod des letzten Ordensritters im Jahr 1980 erlosch der Orden jedoch endgültig.


Königlich-ungarischer St. Stephans-Orden

Auf dem Gemälde ist der Großkreuzstern des St. Stephans-Ordens zu sehen. Das rote Mittelmedaillon zeigt einen grünen Dreihügel, darauf eine goldene Krone, aus der ein weißes Doppelkreuz nach oben ragt. Seitlich des Kreuzes befinden sich Maria Theresias Initialen M und T zu sehen. Umschlossen wird das Mittelmedaillon von einem grün emaillierten Lorbeerkranz.

An diesem Erscheinungsbild kann man bereits erkennen, dass auch der höchste zivile Verdienstorden der Habsburgermonarchie auf Maria Theresia zurückgeht. Er wurde nach dem nach dem Vorbild des Militär-Maria Theresien-Ordens ins Leben gerufen.

Ab 1760 wurden Überlegungen zur Einrichtung dieses Ordens angestellt. Diese Einrichtung verzögerte sich allerdings, da befürchtet wurde, dass sich Position und Privilegien des Ordens vom Goldenen Vlies und des Militär-Maria Theresien-Ordens durch den neuen Orden verändern könnten. Zur Wiederaufnahme der Pläne kam es schließlich, da man hoffte, dadurch positiven Einfluss auf die ungarischen Stände nehmen zu können. Dementsprechend verfügte der Orden über einen ausdrücklich ungarischen Charakter und wurde vom dortigen Adel sehr gut angenommen. Verliehen wurde er aber in der gesamten Monarchie.

Ausgezeichnet wurden mit dem St. Stephans-Orden Personen, die sich im zivilen Bereich verdient gemacht hatten – Beamte, Diplomaten, Juristen, zum Teil Geistliche und ab dem 19. Jahrhundert auch Wissenschaftler und Künstler. Das Großmeistertum des Ordens war an die ungarische Krone gebunden. Erster Großmeister war Maria Theresia selbst, nach dem Tod ihres Mannes Franz Stephan übertrug sie die Großmeisterwürde an ihren Sohn, den späteren Kaiser Joseph II. Der St. Stephans-Orden bestand nach dem Ende der Monarchie noch bis 1944. In Ungarn wurde 1988 und 1990 versucht, den Orden wieder ins Leben zu rufen, diese Bemühungen zeigten jedoch keinen Erfolg.


Österreichisch-kaiserlicher Leopold-Orden

Der Leopold-Orden zeigt sich als rot emailliertes Tatzenkreuz mit weißem Rand und goldener Einfassung. Die Vorderseite zeigt in Gold auf rotem Schild die Initialen Franz I. (F I A für Franciscus Imperator Austriae) und umlaufend die Ordensdevise Integritati et merito („Für Rechtschaffenheit und Verdienst“). Auf der Rückseite des Mittelschildes ist der Wahlspruch Leopolds II., des Namensgebers des Ordens, zu sehen: Opes regum corda subditorum („Auf der Liebe der Untertanen beruht die Macht des Herrschers“). Auf dem Gemälde ist der Bruststern zu sehen, der zum Großkreuz des Ordens getragen wurde.

Zur Stiftung des Leopold-Ordens im Jahr 1808 führte die Tatsache, dass die beiden bisher vorhandenen Orden – der Militär-Maria Theresien-Orden und der königlich-ungarische St. Stephans-Orden – zu wenig Möglichkeiten boten, um besondere Leistungen auszuzeichnen. Ausgezeichnet wurden mit dem Leopold-Orden „Treue zur Heimat und dem Herrscher gegenüber, Verdienste zum Wohle von Staat und Gesellschaft und wissenschaftliche Leistungen“. Ab 1809 konnte auch literarisches Schaffen ausgezeichnet werden. Tag der Stiftung war der 8. Jänner 1808, an dem Kaiser Franz I. sich mit seiner dritten Frau Maria Ludovika von Modena verlobte. Als Namensgeber für den neuen Orden wählte er seinen Vater, Leopold II., aus.


Der österreichisch-kaiserliche Orden der eisernen Krone

Das Mittelmedaillon dieses Ordens zeigt die lombardische Eisenkrone auf goldenem Grund, umgeben von einem blauen Ring mit der Ordensdevise AVITA ET AUCTA („Ererbt und vermehrt“).

Der österreichisch-kaiserliche Orden der eisernen Krone geht zurück auf den von Napoleon 1805 errichteten Ordre de la Couronne de Fer. Diesen stiftete Napoleon, nachdem er sich selbst mit der lombardischen Eisernen Krone gekrönt hatte. Dieser neue Orden sollte besondere Leistungen auf dem Schlachtfeld, in der Staatsverwaltung, Kunst und Wissenschaft belohnen.

Im Zuge des Wiener Kongresses gelangte das Königreich Lombardei-Venetien schließlich an die Habsburgermonarchie und auch der Orden der eisernen Krone wurde als Hausorden von den Habsburgern übernommen. Ab 1816 wurde er in Zusammenhang mit einem neuen Ordensstatut als Österreichisch-kaiserlicher Orden der eisernen Krone bezeichnet. Der Kaiser von Österreich war fortan der Großmeister des Ordens und konnte den Orden direkt verleihen.

Obwohl Österreich seine letzte italienische Besitzung Venedig im Jahr 1866 verlor, verblieb die Berechtigung, den Orden zu verleihen, bei Kaiser Franz Joseph I. Der Orden wurde auch nach dem Tod des Kaisers entgegen eines Abkommens mit Italien bis 1918 weiterhin verliehen.

Besonders bedeutend war dieser Orden auch für das aufstrebende Bürgertum. Es war üblich, den Orden der eisernen Krone an Bürgerliche zu verleihen, die in bestimmten Rängen des Staatsdienstes standen und Geldspenden für soziale Zwecke aufbringen konnten. Mit der Ordensverleihung ging bis 1884 auch eine Erhebung in den Adelsstand einher, wodurch auch bürgerliche Unternehmer zu Adeligen werden konnten. Diese automatische Erhebung wurde von Franz Joseph I. abgeschafft.


Kriegsmedaille 2. December 1873

Zu sehen ist auf dem Gemälde die Reversseite, also die Rückseite, der Kriegsmedaille – Franz Joseph I. trug Dekorationen, die sein Portrait zeigten, so, dass dieses abgewandt war. Damit wollte er Bescheidenheit demonstrieren. Diese Rückseite zeigt nun also einen oben offenen Lorbeer- und Eichenkranz in dessen Mitte sich die Inschrift 2./DECEMBER/1873 befindet. Auf der Aversseite ist wie erwähnt ein heraldisch nach links blickendes Portrait Kaiser Franz Josephs mit der Umschrift FRANZ JOSEPH I. KAISER V. ÖSTERREICH, KÖNIG V. BÖHMEN ETC. APOST. KÖNIG V. UNGARN zu sehen. Getragen wird die Medaille an einem gelb-schwarz schraffierten Dreiecksband. Dabei handelt es sich um ein gefaltetes und mit Haftel und Öse verschlossenes Band, an das die Medaille gehängt wird. Ab den 1840er Jahren wurden Dreiecksbänder in Österreich vorgegeben und bis heute werden Orden der Ritterklasse und Auszeichnungsmedaillen an ihnen befestigt.

Der Anlass zur Stiftung dieser Kriegsmedaille war das 25-jährige Regierungsjubiläum Franz Josephs I. im Jahr 1873. Empfänger waren unabhängig von Rang und Stellung Teilnehmer der Kriegszüge in den Jahren 1848, 1849, 1859, 1864, 1866 oder 1869. In weiterer Folge kam es zu einer Ausweitung auf die Jahre 1878, 1882 sowie 1900/1901, als Soldaten aus der Monarchie im Zuge des Boxeraufstandes in China eingesetzt wurden. Franz Joseph trug die Medaille aufgrund seiner Einsätze 1848 bei Santa Lucia und 1849 bei Raab.


Militärdienstzeichen für Offiziere für 50 Jahre (Modell 1890)

Bei dem Militärdienstzeichen handelt es sich um ein leopoldinisches Tatzenkreuz mit schwarz emailliertem Rand. Das hier gezeigte Dienstzeichen 1. Klasse für Offiziere trägt außerdem einen gekrönten silbernen Doppeladler. Eine goldene Kaiserkrone überhöht das Kreuz und den Doppeladler. Getragen wird auch das Dienstzeichen an einem gelb-schwarz schraffierten Dreiecksband.

Im Jahr 1849 begründete Kaiser Franz Joseph das österreichische Militärdienstzeichen, das an Offiziere und Mannschaft verliehen wurde. Es hat sich bis heute nur wenig verändert. Vergeben wurde es an Offiziere im aktiven Militärdienst und im Geniedienst sowie an Militärärzte. Schon in der Zwischenkriegszeit wurde das Militärdienstzeichen erneut verliehen. Es konnte auch nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich weiterhin getragen werden und wurde schließlich durch das 1965 eingeführte Bundesheerdienstzeichen fortgeführt.


Russischer Orden des Heiligen Georg

Der Georgs-Orden zeigt sich hier als weiß emailliertes Kreuz. Darauf befindet sich ein rötliches Medaillon, das den Hl. Georg auf einem Schimmel reitend und einen schwarzen Drachen bekämpfend zeigt. Die Reversseite zeigt den Namenszug des Heiligen. Getragen wird der Orden an einem rot-schwarz schraffierten Dreiecksband.

Zar Nikolaus I. verlieh Franz Joseph den Orden des Heiligen Georg für seinen Einsatz bei Raab im Jahr 1849. Franz Joseph trug diesen Orden gemeinsam mit der Kriegsmedaille, die wie oben erwähnt an dasselbe Ereignis erinnern sollte, beinahe für sein gesamtes restliches Leben. Der Georgs-Orden geht zurück auf Katharina II., die ihn 1769 als Auszeichnung für militärische Verdienste ins Leben rief.


An den hier vorgestellten Dekorationen lässt sich die Entstehung des habsburgischen Ordenssystems gut nachvollziehen: Zu Beginn stand der Orden vom Goldenen Vlies, der aus dem 15. Jahrhundert tradiert wurde und nur dem Adel zugänglich war. Eine Veränderung trat im 18. Jahrhundert mit dem Militär-Maria Theresien-Orden ein, der nun erstmals im Habsburgerreich erst nach einer erbrachten Leistung verliehen wurde. Für diesen Orden spielten Faktoren wie Rang und Religion keine Rolle. Der St. Stephans-Orden konnte schließlich auch für zivile Leistungen verliehen werden.

Da sich diese beiden Möglichkeiten nicht als ausreichend erwiesen, wurde 1808 der Leopold-Orden gestiftet, mit dem unter anderem auch wissenschaftliche und literarische Verdienste geehrt werden konnten. Dazu treten in diesem Fall der von Napoleon gestiftete Orden der eisernen Krone, der russische Orden des Heiligen Georg sowie eine Kriegsmedaille und ein Militärdienstzeichen. Diese Auswahl an Ehrenzeichen kann nur einen kleinen Einblick in das System der Dekorationen in der Habsburgermonarchie gewährleisten. Sie lassen uns aber einen Blick auf die Denkwelt der Monarchie erhaschen und zeigen, welche Bedeutung diese Orden hatten.

Literaturtipp:

„Österreichs Orden. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ von Johann Stolzer und Christian Steeb (Hgg.), 1996.

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