Georg von Herberstein und der Protestantismus in der Steiermark

Lediglich 4,3% der steirischen Bevölkerung waren bei der letzten Volkszählung im Jahr 2001 evangelisch. Aus heutiger Sicht ist schwer vorstellbar, dass es eine Zeit gab, in der ein Großteil der Menschen in der Steiermark dem reformierten Glauben anhing.

Einer von ihnen war Georg von Herberstein. Er bekannte sich nicht nur zum Protestantismus, sondern war auch aktiv darum bemüht, dass die Protestanten in der Steiermark ihre Religion frei ausüben dürfen. Daneben war er auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Schloss Herberstein in der Oststeiermark im 16. Jahrhundert umfassend ausgebaut wurde.

Geboren wurde Georg von Herberstein im Jahr 1529 als Sohn von Bernhardin I. von Herberstein und Katharina von Saurau, die einem sehr alten steirischen Adelsgeschlecht entstammte. Als Zweitgeborener war Georg eigentlich nicht als Erbe vorgesehen. Sein älterer Bruder Franz von Herberstein fiel allerdings im Kampf gegen die Osmanen und ließ keine eigenen Kinder zurück. Mit dem Tod Bernhardins I. im Jahr 1554 ging der Herberstein’sche Besitz daher an Georg von Herberstein.

Wie kann man sich die Steiermark zu dieser Zeit vorstellen? Die habsburgischen Länder wurden 1564 nach dem Tod Kaiser Ferdinands I. unter seinen drei Söhnen aufgeteilt. Der Älteste, der spätere Kaiser Maximilian II., bekam die Länder ob und unter der Enns, das Salzkammergut, Böhmen und Ungarn zugesprochen. Maximilian II. war unter den katholischen Habsburgern ein Sonderfall: Er sympathisierte offen mit den Protestanten, was auch zu politischen Spannungen führte.

An Ferdinand, den zweitältesten Sohn, fielen Tirol und die Vorlande. Ebenfalls eine interessante Persönlichkeit, schließlich begründete er in Tirol die Ambraser Kunst- und Wunderkammer und heiratete heimlich die bürgerliche Philippine Welser.

Aber zurück in die Steiermark – diese blieb nämlich gemeinsam mit Kärnten, Krain, Görz, Istrien und Triest als Innerösterreich für den jüngsten der drei Söhne, Erzherzog Karl II.

Zu seiner Residenzstadt wurde Graz auserkoren. Als Behörden waren hier der Reichshofrat (eines der höchsten Gerichte im Heiligen Römischen Reich), der Hofkriegsrat (die Militärverwaltungsbehörde) und die Hofkammer (die Behörde zur Finanzverwaltung) ansässig. Sie waren von den Behörden in Wien unabhängig.

Die Verwaltung erfolgte in Abstimmung mit den Landständen. Diese bestanden aus den politischen Vertretern von Adel und Geistlichkeit sowie der Städte und Märkte. Im Zuge von Landtagen wurden die einzelnen Interessen verhandelt. Die Landstände waren bei diesen Verhandlungen politisch durchaus einflussreich, denn sie mussten beispielsweise Steuern bewilligen, ehe der Landesfürst diese einführen konnte. Und neue Steuern waren insbesondere aufgrund der hohen Kosten, die die Verteidigung gegen die Osmanen mit sich brachte, notwendig. Es war also notwendig, ein Einvernehmen zu finden, was gewiss nicht immer einfach war: Die Landstände wandten sich nämlich rasch zu großen Teilen dem Protestantismus zu.

Generell fand der reformierte Glaube vor allem im steirischen Adel sehr schnell großen Anklang. Besonders in Graz breitete sich der neue Glaube rasch und ohne großen Widerstand aus. Die Forschung geht davon aus, dass selbst die Grazer Ratsherren und der Bürgermeister schon ab 1522 dem Protestantismus anhingen.

Und auch Georg von Herberstein war der neuen Konfession zugetan. Als ständischer Verordneter bemühte er sich schon bald aktiv darum, dass den Protestanten die freie Religionsausübung gewährt wurde. In diesem Zusammenhang wirkte er auch an der Ausarbeitung der Grazer Religionspazifikation 1572 mit. Damit wurde dem Adel weitestgehend Gewissens- und Religionsfreiheit zugestanden, die Errichtung einer evangelischen Kirchen- und Schulordnung wurde möglich. Die freie Religionsausübung für Bürger wurde erst einige Jahre später – ebenfalls unter Mitwirken Georg von Herbersteins – mit dem Brucker Libell von 1578 erreicht.

Das Verhältnis Georgs von Herberstein zu seinem katholischen Landesfürst war trotz der unterschiedlichen Konfession weiterhin gut. Selbstverständlich war das nicht, schließlich trieb der Habsburger Karl II. die Gegenreformation voran und holte in Verbindung damit auch schon sehr früh die Jesuiten in die Steiermark. Zu seinen Zugeständnissen gegenüber den Protestanten sah Karl II. sich vor allem aus politischen Gründen gezwungen. Seine Ehefrau, die streng katholische Maria von Bayern aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, war der Gegenreformation stärker zugetan. In diesem Sinn wurde auch ihr Sohn Ferdinand erzogen.

Ungeachtet dieser religiösen Unterschiede füllte Georg von Herberstein verschiedene Funktionen für den Erzherzog aus: Erst wurde er zum Kämmerer (ein Finanzbeamter) und Regierungsrat ernannt, dann zum Landesverweser (ein hohes Amt direkt unter dem Landeshauptmann) und 1580 schließlich zum Landeshauptmann der Steiermark. In dieses höchste Amt der Landesverwaltung wurde man direkt vom Erzherzog eingesetzt und war auch nur diesem gegenüber verantwortlich.

Bereits 1555 hatte Georg von Herberstein die aus Schlesien stammende Barbara Schintl von Tramsdorf geheiratet. Sie schenkte ihm sechzehn Kinder und erreichte ungeachtet dieser Anstrengung das stolze Alter von 82 Jahren.

Sein Erbe Bernhardin II. bekannte sich im Gegensatz zu seinem Vater wieder zum Katholizismus, aber in anderer Hinsicht folgte er diesem nach: Er stand nämlich ebenfalls in den Diensten des Landesherren, Karls Sohn Erzherzog Ferdinand von Innerösterreich. Auch von dessen Frau, Maria Anna von Bayern, wurde Bernhardin sehr geschätzt.

Erzherzog Ferdinand, der spätere Kaiser Ferdinand II., fühlte sich allerdings nicht mehr an die Zugeständnisse seines Vaters gegenüber den Protestanten gebunden. Er nahm diese zurück und setzte die Gegenreformation im Sinne seiner streng katholischen Erziehung endgültig durch. Schon im Jahr 1628 mussten die letzten Protestanten die Steiermark verlassen.

Erst 1781 wurde mit dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. den Protestanten die private Religionsausübung gestattet. Bis die evangelische Kirche staatlich vollends anerkannt wurde, sollte es noch länger dauern: Das geschah erst im Jahr 1861.


Das beeindruckende Grabdenkmal Georgs von Herberstein in Stubenberg in der Oststeiermark habe ich schon im Frühling in diesem Video Video für die GrazGuides vorgestellt. Auf dem Youtube-Kanal der GrazGuides präsentieren wir euch noch viele weitere sehenswerte Orte - reinschauen lohnt sich!

Literaturtipp:

„Ein Hammerschlag… 500 Jahre evangelischer Glaube in der Steiermark“, Ausstellungskatalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Geschichte in Graz (15. Juni 2017 – 7. Jänner 2018), hrsg. von Bettina Habsburg-Lothringen.